Print wirkt – der DJV hat allerdings Bedenken, wie lange noch!

Ein interessantes Studienergebnis legte heute das Handelsblatt vor: 64 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage, die das Markforschungsinstitut Mafo.de durchführte, halten lieber eine Tageszeitung aus Papier in den Händen als eine reine Online-Ausgabe aufzurufen. Besonders verbunden fühlen sich offenbar Leser im Alter von 46-65 Jahren der Printausgabe: Nahezu 70 Prozent wollen auf das Papier nicht verzichten. Und selbst die jüngere – und online-affine – Zielgruppe mag Print (62,7%). Interessante Zusatzerkenntnis: Je höher der Bildungsgrad, desto stärker ist die Bindung zu Papier. Umfrageteilnehmer, die einen Realschulabschluss oder einen höheren Abschluss haben, favorisierten die gedruckte Zeitung mit zwischen 63 und annähernd 65 Prozent. Dagegen interessieren sich Menschen mit niedrigerem Schulabschluss sehr viel stärker für die Online-Medien – zwei Drittel können auf Print komplett verzichten.

Das Ergebnis der Befragung mag Print-Verteidiger beruhigen. Offenbar ist noch kein wirklicher Trend zu einer reinen Online-Informationsversorgung da, zumindest in Deutschland. (Das renommierte Newsweek-Magazin immerhin hat hingegen angekündigt, künftig nicht mehr am Kiosk erhältlich zu sein.) Andererseits: Wie viel sind bis zu 65 Prozent wirklich? Und kaufen diese Leute auch wirklich alle Print-Magazine? Würden die Online-Befürworter für hochwertige News ebenfalls zahlen? Diese Fragen beantwortet die Studie meiner Kenntnis nach nicht.

Aufgeregt weist denn auch der Deutsche Journalisten-Verband darauf hin, dass es kein “unumstößliches Naturgesetz” sei, dass die Printorgane sich in Deutschland gegen Online-Nachrichtenquellen so ohne weiteres behaupten. “Freie Journalisten erhalten keine angemessenen Honorare, frei werdende Redakteursstellen werden mit Volontären besetzt, und manche Verlage bleiben den Flächentarifverträgen fern”, so Bundesverbandsvorsitzender Michael Konken, der damit die Sparpolitik der Verlage angreift. So lasse sich das hohe Qualitätsniveau von Print-Magazinen nicht langfristig halten.

Recht hat er. Wie viele Journalisten und nun auch der DJV ankreiden: Den meisten Verlagen fehlt es an schlüssigen Konzepten, ihre gedruckten Zeitungen und Magazine am Leben zu erhalten. Wo Redaktionen zusammengeschrumpft werden, können kaum noch gute, markttaugliche Produkte entstehen. Viele knapp besetzte Redaktionen sind so “landunter”, dass ihnen die Zeit fehlt, spannenden Themen wirklich konsequent nachzugehen. Das sehen wir zum Beispiel auch bei Fachmagazinen, die oft nur noch von einer einzigen Person am Leben gehalten werden.

Investitionen der Verlage in Personal, aber auch in gute Ideen und neue Konzepte sind erforderlich. Sonst ist der Printjournalismus trotz der guten Nachrichten von heute auf dem absteigenden Ast.

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