Lesetipps rund um Google Plus

Wenn ein neues Netzwerk aus der Taufe gehoben wird, ist die Liste der Zweifler mindestens so lang wie die der Interessenten. Auch im Netz zeigt man sich gelegentlich gern als Gewohnheitstier. Handelt es sich dann noch um ein neues Google-Projekt, verschiebt sich die zu überquerende Messlatte zusätzlich nach oben. Denn nach den bescheidenen Erfolgen von Wave und Buzz ist der Zeitpunkt da, an dem Google ein wirklich wegweisendes neues Produkt gut gebrauchen kann. Der Hype um Google Plus und auch den Plus-One-Button ist momentan gewaltig. Journalisten und Blogger schreiben sich auf allen Online-Plattformen die Finger wund. Twitter verzeichnete zeitweise mehr als 35 Prozent seiner News-Links im Zusammenhang mit Google Plus und der Marktwert von Google stieg um satte 20 Milliarden Dollar an. Hinter all diesen monumentalen und kaum durchschaubaren Zahlen stecken die Nutzer, die auf ein Netz hoffen, das Ihnen neue Mehrwerte bietet. Um eine erste Orientierungshilfe im Informationsdickicht rund um Google Plus zu bieten, haben wir hier einige interessante Quellen aggregiert. Ein Plus an verschiedensten Meinungen für unsere Leser, die aufzeigen, welche Tragweite das neue Google-Projekt besitzt und wie unterschiedlich die Perspektiven ausfallen.

How to Google Plus

Als allgemeine Übersicht für den „Otto-Normal-Verbraucher“ empfiehlt sich der Blick auf einen Beitrag von Meedia-Blogger Felix Disselhoff. Leicht verständlich werden die Grundfunktionen und Unterschiede zu Facebook erklärt. Besonders wichtig bei Google Plus sind die sogenannten „Circles“, in denen man seine Kontakte anordnen kann. Mittels einer Tagging-Funktion weise ich meinen Kontakten Kategorien wie etwa Freunde, Arbeitskollegen oder Familie zu. Anschließend habe ich die Möglichkeit, mir die Streams aus bestimmten Circles anzuschauen oder zu selektieren, in welchem Circle ich einen bestimmten Inhalt teilen möchte. Hier scheint ein erster großer Plus-Punkt gegenüber Facebook zu liegen, das für sein unübersichtliches Listen-Management bekannt ist. Auch das Kontaktmanagement ist in Circles offener gehalten als in Facebook und erinnert eher an Twitter. Persönliche Kontaktanfragen sind nicht notwendig, um einer anderen Person bei Google Plus zu folgen. Zusätzlich ist in Google eine Funktion namens „Sparx“ integriert, hinter der sich ein RSS-Feed verbirgt. Dieser füllt sich mit verschiedensten Inhalten, die aus den vom Nutzer angegebenen Suchbegriffen aggregiert werden. Google will mit Plus also dafür sorgen, dass in seinem Netzwerk das Bedürfnis an Informationen und Diskussionsbedarf nicht ausgeht.

Wanderer zwischen den Hemisphären

Geht es um vermutete bahnbrechende Neuerungen in Internet und Medien, ist Web-Allzweckwaffe und Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo meistens nicht weit. Wie man es von ihm gewohnt ist, gelingt es ihm auch dieses Mal, die Dinge blumig zu abstrahieren und in einen übergeordneten Kontext einzubetten. Lobo sieht Facebook als das Netzwerk, das die Frage nach der Identität der Nutzer stellt. Im Kontrast dazu möchte Google Plus wissen, was seine Nutzer beschäftigt und wo ihre Interessen liegen. Was es mit den beiden Hemisphären Social und Media auf sich hat und an welchem Pol Google Plus und Facebook anzusiedeln sind, wird ebenfalls in seiner Kolumne erläutert.

Zukunftsmusik fängt heute an

Ist man erstmal selbst mit dem Netzwerk warm geworden, stellt sich eventuell die Frage: Wo will Google marktwirtschaftlich betrachtet hin mit seinem Produkt? Klärung verschaffen möchte hier bereits jetzt Service-Insiders.de mit einer Zusammenfassung und Interpretation diverser Kommentare aus der Internet-Szene. Leitthese des Artikels ist, dass Google mit Plus einen großen Schritt hin zum angestrebten Konzernziel der semantischen Suche bewältigt. Google Plus soll im Idealfall zum Schmelztiegel für die zahlreichen anderen Google-Produkte werden und dem Nutzer genau den Content bieten, den er oder sie aufgrund persönlicher Vorlieben bevorzugt. Der Zukunftsfaden wird in diesem Artikel bis ins Jahr 2020 gesponnen. Dann sollen sich nach Schätzungen 50 Milliarden webfähige Endgeräte weltweit im Umlauf befinden und die Nutzer werden sich semantischer Interfaces zur Steuerung bedienen. Zum Beispiel könnte eine Brille mit Internetzugang beim längeren Blick auf ein interessantes Auto weiterführende Informationen im Sichtfeld einspielen. Die Vision des Autors kingt jetzt noch utopisch, aber die rapiden Fortschritte der Informationstechnologie in den letzten zwanzig Jahren zeigen, dass das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht ist.

Kein rechtsfreier Button

Mit wachsendem Einfluss von Google Plus wird sicher auch der Plus-One-Button schnell über die Weblandschaft verteilt werden. Abgesehen davon, dass Suchmaschinenoptimierer dadurch wieder neue Herausforderungen bekommen, müssen Seitenbetreiber bereits jetzt die rechtlichen Aspekte bedenken. Wer den Button guten Gewissens auf seiner Seite einbauen will, sollte beim Juristen-Blog Spreerecht vorbeischauen. Dort wird anhand eines Vergleiches mit dem Facebook-Like-Button erläutert, wo die Risiken im Einsatz von Plus One liegen und wie man diesen vorbeugen kann. Dazu liefert das Blog direkt eine vorgefertigte Datenschutzerklärung, mit deren Hilfe die Gefahr einer Abmahnung weitgehend ausgeräumt werden kann.

Barrierefreies Surfen für alle

Ein Netzwerk wird in verschiedene Landessprachen übersetzt und ist damit jedem zugänglich. Dieser landläufige Irrglaube wird im Blog des PR-Kollegen Heiko Kunert widerlegt. Heiko zeichnet verantwortlich für die PR-Arbeit des Hamburger Blinden- und Sehbehindertenvereins und ist selbst vollblind. Seine ersten Erfahrungen mit Google Plus waren eher durchwachsen, denn das hochgelobte optische Desing des Netzwerks scheint bis jetzt noch nicht vollwertig für Menschen mit Seheinschränkungen adaptiert worden zu sein. Hier zeigt sich, welcher Aufwand hinter einem solchen Projekt steht und wie viele unterschiedliche Erwartungshaltungen befriedigt werden möchten. Den Google-Plus-Entwicklern steht also weiterhin jede Menge Arbeit ins Haus.

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